Da leuchtete kurz ein Flämmchen auf, um dann ganz schnell wieder erstickt zu werden. Das Interview von Jörg Meuthen bei Tichys Einblick war ein kleiner Lichtblick und machte Hoffnung nach den Anbiederungen von ganz bestimmten Leuten beim Flügel. Nicht nur das ist bei vielen Parteimitgliedern bitter aufgestoßen, die wie ich im Frühjahr 2013 in den ersten Stunden in die Partei eingetreten sind und das aus ganz bestimmten Gründen. Diese Gründe sind zwar noch da und in der Programmatik wiederzufinden, aber mittlerweile doch schon sehr verblaßt.
In vollem Farbglanz stehen nur die radikalen nationalistisch sozialistischen Auswüchse des Flügels im Raum. Die Fahnenschwenker bei Flügeltreffen sind nicht vergessen und haben sich in die Erinnerung eingebrannt. Solche Attitüden verschrecken in der Tat viele Wähler, die durchaus aus der Geschichte etwas gelernt haben und keine Abdrift an den äußersten rechten Rand tolerieren.
Die konservativ-liberalen Mitglieder, die realistische Politik machen und keinem Wolkenkukuksheim hinterherlaufen wollen, haben es vermutlich wie ich auch satt, sich ständig für irgendwelche Ausfälle rechtfertigen zu müssen. Da ist es dann egal, ob es um einen Vogelschiß geht, um eine Erinnerungspolitische Wende oder Besuche an der ehemaligen Wolfsschanze. Und einen Björn Höcke in der Mitte der Partei zu verorten, mit einer Signalwirkung, die Ihresgleichen sucht, kann nur wieder einer dieser sehr schwachen Momente des Ehrenvorsitzenden gewesen sein.
Meuthen hat im Interview eigentlich nur im Klartext ausgesprochen, was etliche Mitglieder sich wünschen und im kleinen Kreis bereits öfter thematisiert haben: … den Flügel abstreifen und damit auch die Strukturen des Flügels entfernen. Die Mitglieder, die sich dem Flügel zugehörig fühlen, sind ja weitgehend bekannt und sollten aufgefordert werden, die Partei zu verlassen. Freiwillig.
Die durch den Bundesvorstand beschlossene Auflösung des Flügels ist reine Augenwischerei. Die Flügelfedern verschwinden in der Gesamtmitgliederzahl und wirken weiter über ihr bestehendes Netzwerk. Denn die Katze läßt das Mausen nicht. Das fällt mit den üblichen Kommentaren auf die gesamte Partei zurück, die damit immer weiter geschädigt wird. Die Gefahr, daß die gesamte Partei vom Verfassungsschutz beobachtet wird, ist ja nicht geringer geworden. Sie ist massiv gestiegen. Denn die Blockparteien haben sich immer noch nicht damit abgefunden, daß es die AfD gibt und ihnen Mandate und Plätze in den Parlamenten wegnimmt. Also werden sie weiter mit allen Mitteln versuchen die Institutionen gegen die AfD einzusetzen. Unter diesem Damoklesschwert trauen sich nur sehr Wenige in die Partei einzutreten. Wenn die inoffiziellen Zahlen stimmen, dann haben im Jahr 2019 ca. 4.000 Mitglieder die Partei verlassen. Und der Exodus wird weitergehen. Da ist schon eine Zäsur notwendig die Äpfel mit den braunen fauligen Stellen aus dem Korb zu entfernen. Da sind Klagen, dann sähe der Korb aber nicht mehr so schön voll aus, nicht hilfreich. Denn es hilft nicht die Äpfel mit den Stellen zu schonen. Sie werden früher oder später den ganzen Korb befallen haben. Denn die letzten gesunden Äpfel werden den Korb schleunigst verlassen.
Schaut man sich an wer immer Einigkeit schreit, wenn mal wieder das Faß übergelaufen ist und von Häutung gesprochen wird. Es sind die Flügler, die am lautesten „die Einigkeit beschwören“. Denn sie wissen ganz genau, wenn es zur Häutung kommt und alle Flügler aus der AfD rausfliegen wegen parteischädigendem Verhalten, dann ist die Chose gelaufen. Auch der Flügel gründet dann keine neue Partei. Und wenn würde sie vermutlich denselben Weg gehen wie Poggenburgs Aufbruch deutscher Patrioten – Mitteldeutschland. Mögen es tatsächlich 7.000 an der Zahl sein, die eine Höcke/Kalbitz Verehrung betreiben, so sind es doch, selbst nach dem Verlassen von 4.000 Mitgliedern in 2019, immer noch 24.000 liberal-konservative Mitglieder die den 7.000 radikalen gegenüberstehen. Das sind etwas über 20% die entbehrlich sind.
Welches Machtgebaren der Flügel im BuVo an den Tag legen kann ist heute mit der Rundmail deutlich geworden. Meuthen ist stark unter Druck gesetzt worden und mußte eine Erklärung abgeben. Allein die Formulierung dieses Textes deutet auf ein inquisitorisches Abschlachten während der BuVo-Sitzung hin.
Es wird Zeit, daß sich die liberal-konservativen Mitglieder besser vernetzten und gemeinsam ein Gegengewicht schaffen, um die Äpfel mit den braunen Stellen aus dem Korb zu entfernen. Allerdings ist immer eine Mehrheitsmeinung zu respektieren. Weshalb diese Mehrheiten organisiert werden müssen. Und das kann der Flügel offensichtlich besser.
pj
Das Interview: